Zu Beginn jedes Plenums wird im Advent in der Christophine die Kerze im Adventskranz angezündet. Kein großes Ritual, kein besonderer Rahmen. Die Schulkinder ziehen einen Namen aus einem kleinen Schächtele. Ein Kind tritt nach vorne. Mal liegt ein Zündholz bereit, mal ein Feuerzeug. Dann wird die Kerze angezündet.
In diesem Moment richtet sich die Aufmerksamkeit der Gruppe auf das Kind. Alle schauen. Manche gespannt, manche ruhig, manche bereits mit dem Wissen, dass gleich Unterstützung nötig sein könnte. Die Kinder bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Einige sind sicher im Umgang mit dem Feuer. Andere zögern. Manche haben Respekt, manche auch Angst. Diese Unterschiede sind sichtbar und sie dürfen sichtbar sein.
Was hier geschieht, ist Lernen in einer sehr konzentrierten Form. Es geht nicht um Geschwindigkeit und nicht um ein richtig oder falsch. Kinder beobachten einander genau. Sie nehmen wahr, wie jemand mit der Situation umgeht. Sie spüren, wann ein Wort hilft, wann Nähe gebraucht wird, wann es wichtig ist, ruhig zu bleiben. Unterstützung entsteht nicht auf Zuruf, sondern aus Aufmerksamkeit heraus. Niemand drängt. Niemand bewertet. Es gibt Zeit. Und es gibt eine gemeinsam getragene Verantwortung dafür, dass es gelingt.
Diese Situation ist bewusst klar begrenzt. Sie ist sinnlich erfahrbar und mit einem realen Risiko verbunden. Genau darin liegt ihre pädagogische Bedeutung. Kinder lernen hier nicht abstrakt, sondern eingebettet in eine konkrete Handlung. Sie erfahren, dass Regeln nicht willkürlich sind, sondern Orientierung geben. Sie erleben, dass Sicherheit entsteht, wenn eigene Wahrnehmung und äußere Rahmung zusammenwirken.
Dabei zeigen sich zwei Lernwege, die parallel verlaufen. Zum einen die inneren Prozesse der Kinder. Sie nehmen die Situation wahr, ordnen sie ein, bauen Bedeutung auf. Sie lernen, mit Unsicherheit umzugehen und eigene Gefühle ernst zu nehmen. Zum anderen wirken äußere pädagogische Impulse. Erwachsene erklären, benennen Regeln, bleiben präsent. Diese Begleitung schafft einen Rahmen, in dem Kinder handeln können, ohne überfordert zu sein.
Beide Ebenen greifen ineinander. Regeln entfalten ihre Wirkung nicht allein durch Vorgaben, sondern dadurch, dass Kinder sie innerlich nachvollziehen und in eigene Erfahrungen einbetten. Respekt entsteht nicht aus Verboten, sondern aus dem Erleben von Verantwortung. Sicherheit wächst mit Wiederholung, Aufmerksamkeit und Begleitung.
Die Lernergebnisse dieser Situation gehen über den konkreten Umgang mit Feuer hinaus. Kinder entwickeln Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit. Sie lernen, Hilfe anzunehmen und selbst Hilfe anzubieten. Diese Kompetenzen sind übertragbar. Sie wirken im Schulalltag weiter, in anderen Situationen, mit anderen Anforderungen.
Vom Anzünden der Adventskerze aus lässt sich der Blick auf Lernen insgesamt richten. Auch im Unterricht lernen Kinder durch das Zusammenspiel von innerer Entwicklung und äußerer Struktur. Schule schafft Erfahrungsräume, bietet Erklärungen an und setzt verbindliche Regeln. Lernen verläuft dabei vom Konkreten zum Allgemeinen. Aus einzelnen Situationen entwickeln sich Haltungen und Fähigkeiten, die tragen.
Marbacher Pädagogik zeigt sich in diesem Kontext ganz deutlich als begleitende Praxis. Sie eröffnet Räume, in denen Kinder Erfahrungen machen können, und sie schützt diese Räume durch klare Rahmung. Kinder werden ernst genommen in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand. Lernen erscheint nicht als Abruf von Wissen, sondern als Prozess, der Zeit braucht und Aufmerksamkeit verlangt.
Das tägliche Anzünden der Kerze ist kein Zusatz zum Unterricht. Es ist Teil davon. Es zeigt, wie Lernen gelingen kann, wenn Erfahrung, Begleitung und Verantwortung zusammenkommen. In diesen stillen Momenten wird sichtbar, was Schule für Christophine im Kern ausmacht.
Lernen an der Länge eines Zündholzes
Zu Beginn jedes Plenums wird im Advent in der Christophine die Kerze im Adventskranz angezündet. Kein großes Ritual, kein besonderer Rahmen. Die Schulkinder ziehen einen Namen aus einem kleinen Schächtele. Ein Kind tritt nach vorne. Mal liegt ein Zündholz bereit, mal ein Feuerzeug. Dann wird die Kerze angezündet.
In diesem Moment richtet sich die Aufmerksamkeit der Gruppe auf das Kind. Alle schauen. Manche gespannt, manche ruhig, manche bereits mit dem Wissen, dass gleich Unterstützung nötig sein könnte. Die Kinder bringen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit. Einige sind sicher im Umgang mit dem Feuer. Andere zögern. Manche haben Respekt, manche auch Angst. Diese Unterschiede sind sichtbar und sie dürfen sichtbar sein.
Was hier geschieht, ist Lernen in einer sehr konzentrierten Form. Es geht nicht um Geschwindigkeit und nicht um ein richtig oder falsch. Kinder beobachten einander genau. Sie nehmen wahr, wie jemand mit der Situation umgeht. Sie spüren, wann ein Wort hilft, wann Nähe gebraucht wird, wann es wichtig ist, ruhig zu bleiben. Unterstützung entsteht nicht auf Zuruf, sondern aus Aufmerksamkeit heraus. Niemand drängt. Niemand bewertet. Es gibt Zeit. Und es gibt eine gemeinsam getragene Verantwortung dafür, dass es gelingt.
Diese Situation ist bewusst klar begrenzt. Sie ist sinnlich erfahrbar und mit einem realen Risiko verbunden. Genau darin liegt ihre pädagogische Bedeutung. Kinder lernen hier nicht abstrakt, sondern eingebettet in eine konkrete Handlung. Sie erfahren, dass Regeln nicht willkürlich sind, sondern Orientierung geben. Sie erleben, dass Sicherheit entsteht, wenn eigene Wahrnehmung und äußere Rahmung zusammenwirken.
Dabei zeigen sich zwei Lernwege, die parallel verlaufen. Zum einen die inneren Prozesse der Kinder. Sie nehmen die Situation wahr, ordnen sie ein, bauen Bedeutung auf. Sie lernen, mit Unsicherheit umzugehen und eigene Gefühle ernst zu nehmen. Zum anderen wirken äußere pädagogische Impulse. Erwachsene erklären, benennen Regeln, bleiben präsent. Diese Begleitung schafft einen Rahmen, in dem Kinder handeln können, ohne überfordert zu sein.
Beide Ebenen greifen ineinander. Regeln entfalten ihre Wirkung nicht allein durch Vorgaben, sondern dadurch, dass Kinder sie innerlich nachvollziehen und in eigene Erfahrungen einbetten. Respekt entsteht nicht aus Verboten, sondern aus dem Erleben von Verantwortung. Sicherheit wächst mit Wiederholung, Aufmerksamkeit und Begleitung.
Die Lernergebnisse dieser Situation gehen über den konkreten Umgang mit Feuer hinaus. Kinder entwickeln Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und Selbstständigkeit. Sie lernen, Hilfe anzunehmen und selbst Hilfe anzubieten. Diese Kompetenzen sind übertragbar. Sie wirken im Schulalltag weiter, in anderen Situationen, mit anderen Anforderungen.
Vom Anzünden der Adventskerze aus lässt sich der Blick auf Lernen insgesamt richten. Auch im Unterricht lernen Kinder durch das Zusammenspiel von innerer Entwicklung und äußerer Struktur. Schule schafft Erfahrungsräume, bietet Erklärungen an und setzt verbindliche Regeln. Lernen verläuft dabei vom Konkreten zum Allgemeinen. Aus einzelnen Situationen entwickeln sich Haltungen und Fähigkeiten, die tragen.
Marbacher Pädagogik zeigt sich in diesem Kontext ganz deutlich als begleitende Praxis. Sie eröffnet Räume, in denen Kinder Erfahrungen machen können, und sie schützt diese Räume durch klare Rahmung. Kinder werden ernst genommen in ihrem jeweiligen Entwicklungsstand. Lernen erscheint nicht als Abruf von Wissen, sondern als Prozess, der Zeit braucht und Aufmerksamkeit verlangt.
Das tägliche Anzünden der Kerze ist kein Zusatz zum Unterricht. Es ist Teil davon. Es zeigt, wie Lernen gelingen kann, wenn Erfahrung, Begleitung und Verantwortung zusammenkommen. In diesen stillen Momenten wird sichtbar, was Schule für Christophine im Kern ausmacht.
LO · 22. Dezember 2025